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Bourkesittich: Steckbrief, Wesen und Platzbedarf

Neophema bourkii

Ein Grassittich mit rosa Bauch — ruhig, leise und dämmerungsaktiv. Die vielleicht unterschätzteste Art für Wohnungshalter.

Redaktion Sittich SOS

Gesamtlänge
19–23 cm
Körpermasse
40–50 g
Lebenserwartung
8–15 Jahre
Herkunft
Australien, aride Buschlandschaften

Der Bourkesittich zählt zu den ruhigsten, leisesten und am meisten unterschätzten Sitticharten überhaupt – und gleichzeitig zu den Arten, bei denen die rechtliche Seite der Haltung oft unterschätzt wird. Dieser Steckbrief konzentriert sich auf die Kennzahlen, das Wesen und vor allem den Platzbedarf dieser Art, der sich deutlich von dem des Wellensittichs oder Nymphensittichs unterscheidet.

Einordnung und Erkennungsmerkmale

Mit einer Gesamtlänge von etwa 19 bis 23 Zentimetern und einem Gewicht von rund 40 bis 50 Gramm ist der Bourkesittich ein kleiner bis mittelgroßer Vertreter der Grassittiche. Seine Herkunft liegt in den ariden Buschlandschaften Australiens, wo seine gedeckte, eher blasse Färbung eine effektive Tarnung in der trockenen Vegetation bietet.

Wesen in Kürze

Charakterlich gilt der Bourkesittich als ruhig, verträglich und wenig streitlustig – Eigenschaften, die ihn deutlich von lautstärkeren Verwandten wie dem Halsbandsittich oder Alexandersittich unterscheiden. Eine Besonderheit ist seine dämmerungsaktive Lebensweise: Er zeigt sich vor allem in den Morgen- und Abendstunden aktiv, während er tagsüber häufiger ruht.

Lautstärke im Alltag

In Sachen Lautstärke gehört der Bourkesittich zu den unauffälligsten Sitticharten. Sein Zwitschern bleibt meist zurückhaltend und tritt gehäuft in der Dämmerung auf. Für Wohnsituationen, in denen Ruhe ein wichtiges Kriterium ist, zählt er damit zu den eher unproblematischen Kandidaten – vorausgesetzt, die übrigen Haltungsansprüche werden erfüllt.

Sozialverhalten und Vergesellschaftung

Bourkesittiche gelten als verträglich und lassen sich in Paaren oder kleinen Gruppen halten, auch in Gesellschaft anderer ruhiger Grassittich-Arten. Wichtig bleibt dabei, dass jedes Tier ausreichend Rückzugsmöglichkeiten hat, damit auch in der Gruppe keine dauerhaften Spannungen entstehen.

Der entscheidende Punkt: das amtliche Mindestmaß

Anders als Wellensittich und Nymphensittich ist der Bourkesittich als Neophema-Art nicht von den amtlichen Vorgaben ausgenommen. Für ihn gilt nach dem Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Jahr 1995 ein Mindestmaß von 3 mal 1,5 mal 2 Metern für ein Paar, zuzüglich eines Schutzraums von 1 Quadratmeter Grundfläche. Das ist eine Voliere, kein Zimmerkäfig – wer die Art in einem handelsüblichen Käfig hält, unterschreitet damit das amtliche Mindestmaß.

Warum dieser Punkt oft übersehen wird

Weil der Bourkesittich klein und ruhig wirkt, gehen viele angehende Halter davon aus, dass ein kompakter Käfig ausreicht. Tatsächlich zählt gerade die Käfiggröße zu den Aspekten, die bei dieser Art am häufigsten unterschätzt werden, gerade weil sie optisch nicht nach einem Volierenvogel wirkt. Wer sich vor der Anschaffung nur den Zoofachhandel ansieht, bekommt hier leicht einen falschen Eindruck vermittelt, da dort oft deutlich kleinere Käfige als Beispiel gezeigt werden. Wer keine Voliere in der geforderten Größe unterbringen kann, sollte die Anschaffung eines Bourkesittichs noch einmal überdenken, statt die Vorgabe stillschweigend zu unterschreiten und den Vogel dauerhaft zu knapp zu halten.

Innenhaltung oder Außenvoliere

Die geforderte Volierengröße lässt sich sowohl innerhalb der Wohnung als auch als Außenvoliere umsetzen. Für eine Haltung im Freien braucht es zusätzlich einen frostfreien, zugfreien Schutzraum, in den sich die Tiere bei kaltem Wetter zurückziehen können – dieser Schutzraum ist im amtlichen Mindestmaß bereits als eigene, zusätzliche Fläche mitgerechnet. Wer sich für eine Innenvoliere entscheidet, sollte auf einen stabilen, leicht zu reinigenden Untergrund sowie ausreichend Sitzstangen in unterschiedlichen Stärken achten.

Anschaffung und Anfängertauglichkeit

Vom Wesen her ist der Bourkesittich gut für Halter geeignet, die einen ruhigen, unaufdringlichen Vogel suchen. Die eigentliche Hürde liegt nicht im Charakter, sondern im benötigten Platz: Nur wer eine Voliere in der vorgeschriebenen Größe realistisch unterbringen kann, sollte sich für diese Art entscheiden. Wer noch unsicher ist, ob der verfügbare Platz ausreicht, sollte die Maße vorab konkret durchmessen, statt sich auf eine grobe Schätzung zu verlassen.

Beschäftigung und Alltag

Auch ruhige Arten wie der Bourkesittich brauchen Beschäftigung, damit die vorgeschriebene Voliere nicht zur reinen Aufbewahrung wird. Naturzweige zum Anknabbern, wechselnde Sitzgelegenheiten und ausreichend Flugstrecke innerhalb der Voliere sorgen dafür, dass die Tiere ihr natürliches Verhalten ausleben können, auch wenn sie insgesamt weniger auffällig aktiv wirken als andere Sitticharten.

Gesundheit und Lebenserwartung

Bourkesittiche werden bei guter Haltung etwa 8 bis 15 Jahre alt. Wie bei allen Sitticharten gilt: Krankheitszeichen werden instinktiv lange verborgen. Anhaltend verändertes Verhalten, Fressunlust oder aufgeplustertes Sitzen über längere Zeit gehören in die Hände einer vogelkundigen Tierarztpraxis.

Für wen sich ein Bourkesittich eignet

Ein Bourkesittich passt zu Haltern, die eine leise, verträgliche Art suchen und gleichzeitig bereit und in der Lage sind, die amtlich vorgeschriebene Volierengröße dauerhaft bereitzustellen. Wer diesen Platz nicht hat, sollte eher eine Art in Betracht ziehen, die von den amtlichen Mindestanforderungen ausgenommen ist.

Platzbedarf

amtliches Mindestmaß

3 × 1.5 × 2 m

Die Maße gelten für ein Paar. Das ist eine Voliere, kein Zimmerkäfig — wer die Arten in einem handelsüblichen Käfig hält, unterschreitet das amtliche Mindestmaß.

Dazu ein Schutzraum von 1 m² Grundfläche.

Eigene Maße prüfen
Quelle: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 1995 Gilt nicht für: Wellensittiche (Melopsittacus undulatus) und Nymphensittiche (Nymphicus hollandicus) — das Gutachten nimmt beide als domestizierte Arten ausdrücklich aus.

Häufig gestellte Fragen

Braucht ein Bourkesittich wirklich eine Voliere?

Ja. Als Neophema-Art unterliegt er dem BMEL-Gutachten mit einem Mindestmaß von 3 mal 1,5 mal 2 Metern für ein Paar zuzüglich Schutzraum – das entspricht einer Voliere, nicht einem klassischen Zimmerkäfig.

Wie laut ist ein Bourkesittich im Vergleich zu anderen Sitticharten?

Sehr leise. Sein Zwitschern bleibt meist zurückhaltend und tritt vor allem in der Dämmerung auf, wenn die Art am aktivsten ist.

Kann ein Bourkesittich mit anderen Vögeln zusammenleben?

Er gilt als verträglich und lässt sich in Paaren oder kleinen Gruppen halten, auch mit anderen ruhigen Grassittich-Arten, sofern genügend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind.

Wie alt werden Bourkesittiche?

Bei guter Haltung erreichen sie in der Regel ein Alter von etwa 8 bis 15 Jahren.

Ist der Bourkesittich für Anfänger geeignet?

Vom Wesen her gut geeignet, da er ruhig und verträglich ist. Die eigentliche Hürde ist der vorgeschriebene Platzbedarf: Ohne eine Voliere in amtlich vorgeschriebener Größe sollte man von der Anschaffung absehen, unabhängig davon, wie unkompliziert der Charakter dieser Art sonst wirkt.

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