Abgabe und Aufnahme
Sittich abgeben: die Schutzvereinbarung
Ein Sittich wechselt den Halter. Diese Seite sammelt, was vorher geklärt gehört: was in eine Schutzvereinbarung hineingehört, welche Angaben der neue Halter wirklich braucht und welche Fragen du Interessenten stellen solltest.
Diese Seite vermittelt keine Vögel.
Unter dieser Adresse lag bis etwa 2011 ein Vermittlungsprojekt, das eine Schutzvereinbarung und zwei Formulare zum Herunterladen anbot. Das Projekt gibt es nicht mehr, und wir nehmen keine Vögel auf und geben keine ab. Was damals in den Formularen stand, steht heute hier als Text — zum Nachlesen, Abschreiben und Anpassen.
Was eine Schutzvereinbarung ist, und was nicht
Der Begriff klingt nach Paragraf, ist aber keiner. „Schutzvertrag“ ist kein eigener Vertragstyp im Gesetz, sondern ein ganz normaler Vertrag zwischen zwei Privatleuten, der festhält, unter welchen Bedingungen ein Tier den Halter wechselt. Das ist keine Rechtsberatung, und wenn es hart auf hart kommt, klärt das ein Anwalt und kein Formular.
Trotzdem lohnt sich der Aufwand, und zwar aus einem Grund, der mit Juristerei wenig zu tun hat: Die Vereinbarung zwingt beide Seiten, vor der Übergabe über Dinge zu sprechen, die hinterher teuer werden. Wie viele Vögel dort schon leben. Wie groß der Käfig wirklich ist. Wer zahlt, wenn der Vogel im dritten Monat krank wird. Wer diese Fragen vorher stellt, erlebt seltener, dass ein Vogel nach vier Wochen in einer Kleinanzeige wieder auftaucht.
Was hineingehört
Neun Punkte, mehr braucht es nicht. Kürzer als eine Seite, sonst liest es niemand.
- Wer
- Beide Seiten mit vollem Namen und Anschrift. Ohne das ist die Vereinbarung im Streitfall wertlos, weil niemand weiss, gegen wen sie gilt.
- Welcher Vogel
- Art, Ringnummer oder ein anderes Kennzeichen, geschätztes Alter, Geschlecht wenn bekannt. Bei zwei Vögeln beide einzeln aufführen.
- Wann
- Datum der Übergabe. Ab diesem Tag trägt der neue Halter die Verantwortung, auch die für Tierarztkosten.
- Schutzgebühr
- Betrag oder ausdrücklich „unentgeltlich“. Wenn eine Gebühr fließt, gehört dazu, wofür sie gedacht ist. Eine Schutzgebühr ist kein Kaufpreis, und der Vogel ist keine Ware.
- Haltungszusage
- Mindestens ein Artgenosse, ein Käfig in der zugesagten Größe, täglicher Freiflug. Das sind die drei Punkte, an denen es später scheitert.
- Keine Weitergabe
- Der Vogel wird nicht ohne Rücksprache weitergereicht, nicht verkauft und nicht in eine Zucht gegeben.
- Rückgabe
- Wenn es nicht klappt, geht der Vogel zurück an dich, nicht in eine Kleinanzeige. Das ist der eigentliche Zweck der ganzen Vereinbarung.
- Gesundheit
- Der Zustand am Tag der Übergabe, ehrlich benannt. Eine verschwiegene Vorerkrankung ist der häufigste Grund, aus dem eine Übergabe hinterher zerfällt.
- Unterschriften
- Beide unterschreiben, jeder bekommt ein Exemplar. Ein Vertrag, den nur eine Seite besitzt, hilft niemandem.
Das Abgabeformular: was der neue Halter wissen muss
Ein Vogel, der am selben Tag Wohnung, Gesellschaft und Futter wechselt, frisst manchmal tagelang nichts. Das lässt sich weitgehend vermeiden, wenn wenigstens das Futter gleich bleibt — deshalb steht es hier so weit oben. Schreib die folgenden Angaben auf und gib sie mit, statt sie am Übergabetag aus dem Kopf zu erzählen.
- Alter und Herkunft
- Woher stammt der Vogel, wie lange lebt er schon bei dir?
- Partnervogel
- Mit wem lebt er zusammen und seit wann? Ein eingespieltes Paar wird nicht getrennt.
- Futter
- Welche Körnermischung kennt er, welches Frischfutter frisst er, was rührt er nie an?
- Zahmheit
- Geht er auf die Hand, duldet er Nähe, oder ist er reiner Beobachter?
- Gesundheit
- Vorerkrankungen, Behandlungen, letzter Tierarztbesuch, laufende Medikamente.
- Eigenheiten
- Federrupfen, Schreckhaftigkeit, Unruhe in der Nacht, Angst vor bestimmten Geräuschen.
Welche Mischung wirklich taugt und woran du eine schlechte erkennst, steht bei den Futtermischungen. Wenn der Vogel nach dem Umzug die Nahrung verweigert, ist der Beitrag zum Nichtfressen der richtige Einstieg — und zwar früher, als die meisten denken.
Fragen an Interessenten
Sechs Fragen, die du stellen solltest, bevor du zusagst. Sie sind nicht als Verhör gemeint; wer den Vogel ernst nimmt, beantwortet sie gern und ausführlich.
- Wie viele Vögel leben schon bei dir, und welche Art?
- Wie groß ist der Käfig, und wo steht er?
- Wie oft und wie lange gibt es Freiflug?
- Wer versorgt die Vögel im Urlaub?
- Welcher vogelkundige Tierarzt ist erreichbar, und wie weit ist er weg?
- Was passiert, wenn der Vogel krank wird und die Behandlung teuer ist?
Die Käfigfrage lässt sich nicht am Gefühl entscheiden. Beim Käfigrechner gibst du die Maße ein und bekommst die Antwort gegen das amtliche Gutachten. Ob in erreichbarer Nähe überhaupt ein vogelkundiger Tierarzt sitzt, klärt die Tierarztsuche — und was diese Qualifikation bedeutet, steht dort gleich mit dabei.
Ein Warnzeichen zum Schluss: Wer zuerst nach dem Preis fragt und erst danach nach dem Vogel, hat selten vor, ihn zwanzig Jahre zu behalten. So lange kann ein Wellensittich nämlich leben, wenn er gut gehalten wird.
Einzeln wird nicht abgegeben
Sittiche sind Schwarmvögel. Ein einzelner Vogel bei einem Halter, der keinen zweiten hat und auch keinen anschaffen will, ist keine Vermittlung, sondern eine Verschiebung des Problems. Warum ein Mensch den Partnervogel nicht ersetzt, steht ausführlich bei der Paarhaltung. Wenn du zwei Vögel abgibst, die zusammen leben, gib sie zusammen ab.
Wenn es privat nicht klappt
Tierheime nehmen auch Vögel auf, längst nicht nur Hunde und Katzen. Ruf vorher an und frag, ob gerade Platz für Sittiche ist — die Antwort hängt stark vom Bestand ab. Manche Tierheime führen Wartelisten und melden sich, wenn etwas frei wird.
Was du nicht tun solltest: den Vogel ohne jede Absprache in eine Kleinanzeige stellen und an den Erstbesten abgeben. Genau dafür ist die Vereinbarung oben da, und sie kostet dich eine halbe Stunde.
Wenn der Vogel krank ist
Ein krankes Tier wird nicht übergeben, sondern erst behandelt. Was bei akuten Anzeichen sofort zu tun ist, steht auf der Notfallseite. Erst wenn geklärt ist, was dem Vogel fehlt, ist eine Abgabe überhaupt fair — dem Vogel gegenüber und dem neuen Halter gegenüber.
Fragen zu dieser Seite gehen an die Kontaktseite. Alle Themen im Überblick stehen unter Themen.