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Sittich SOS Ratgeber für Sittichhalter

Mauser beim Sittich: Was normal ist und wann nicht

Federn am Käfigboden, ein stiller Vogel, Stoppeln im Gefieder: Was bei der Mauser normal ist, wie du sie vom Federrupfen unterscheidest und wann es doch der Tierarzt ist.

Redaktion Sittich SOS 4 Min. Lesezeit

Sittich mit nachwachsenden Federkielen am Kopf auf einer Sitzstange

Plötzlich liegen Federn auf dem Käfigboden, der Vogel ist auffällig still, sitzt viel und wirkt gereizt, wenn man ihn anfasst. Für viele Halter ist die erste Mauser ein Schreckmoment. Meist ist sie völlig normal — sie ist aber auch anstrengend, und es gibt Verläufe, bei denen etwas nicht stimmt. Dieser Beitrag ordnet ein, was dazugehört und wo die Grenze liegt.

Schlüsselerkenntnisse

  • Mauser ist der planmäßige Austausch des Gefieders und gehört zum normalen Vogeljahr.
  • Typisch sind gleichmäßig verteilter Federverlust, Blutkiele und ein ruhigerer, gereizterer Vogel.
  • Sie kostet erhebliche Energie: Federn bestehen zum Großteil aus Eiweiß.
  • Kahle, scharf begrenzte Stellen sind keine Mauser — das ist Federrupfen und hat andere Ursachen.
  • Zum Tierarzt gehört sie, wenn sie nicht endet, wenn Blutkiele bluten oder wenn der Vogel deutlich abbaut.

Was in der Mauser passiert

Federn nutzen sich ab. Sie brechen, verschleißen und verlieren ihre Funktion — und weil sie totes Material sind, lassen sie sich nicht reparieren. Also werden sie ersetzt. Eine alte Feder fällt aus, aus demselben Follikel wächst eine neue nach.

Die neue Feder steckt zunächst in einer Hornscheide und wird über eine Blutader versorgt: der Blutkiel. Er sieht aus wie ein kleiner dunkler Stift im Gefieder, oft am Kopf besonders gut sichtbar. Wenn die Feder fertig ist, zieht sich das Blut zurück, die Scheide zerfällt zu feinem Staub, und der Vogel schuppt sie beim Putzen ab — daher der weiße Belag, der in dieser Zeit überall liegt.

Warum der Vogel sich verändert

Federn bestehen überwiegend aus Keratin, also aus Eiweiß. Ein Vogel, der sein halbes Gefieder erneuert, baut in wenigen Wochen eine erhebliche Menge Körpersubstanz neu auf. Das erklärt fast alles, was Haltern in dieser Zeit auffällt:

  • Er ist ruhiger und schläft mehr. Die Energie steckt im Gefieder.
  • Er singt weniger oder gar nicht.
  • Er ist gereizt und lässt sich ungern anfassen. Blutkiele sind druckempfindlich — Streicheln am Kopf tut in dieser Phase weh.
  • Er frisst mehr, besonders eiweißreiches Futter.
  • Er kratzt und putzt sich viel. Die Hornscheiden jucken.

Das ist alles normal. Was nicht dazugehört: dauerhaft aufgeplustertes Sitzen mit halb geschlossenen Augen. Das ist ein Krankheitszeichen, auch mitten in der Mauser — nachzulesen unter aufgeplustertes Sitzen.

Wann und wie oft

Wildlebende Sittiche mausern jahreszeitlich. In Wohnungshaltung ist dieser Rhythmus durch künstliches Licht und gleichbleibende Temperatur oft verschoben; viele Vögel mausern zwei- bis dreimal jährlich, manche in unregelmäßigen Schüben.

Eine vollständige Mauser dauert meist mehrere Wochen. Sie verläuft symmetrisch und über den Körper verteilt — der Vogel verliert nie so viele Federn auf einmal, dass er flugunfähig würde. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Wasservögeln, die schlagartig mausern.

Junge Wellensittiche machen mit etwa drei bis vier Monaten ihre erste große Mauser durch, bei der sich auch das Aussehen ändert: Die Wellenzeichnung auf der Stirn weicht zurück, die Augen bekommen ihren hellen Ring, die Wachshaut nimmt die endgültige Farbe an. Genau deshalb lässt sich das Geschlecht vorher schlecht beurteilen — dazu mehr unter Geschlecht erkennen.

Mauser oder Federrupfen?

Das ist die Unterscheidung, auf die es ankommt, und sie ist meist eindeutig.

MauserFederrupfen
Verteilunggleichmäßig über den Körperscharf begrenzte kahle Flächen
Stellenüberall, auch Kopfnur dort, wo der Schnabel hinkommt
Federnganz, mit sauberem Kielabgebrochen, Stummel bleiben stehen
Blutkieleja, vieleeher nicht
Kopfbetroffennie — der Vogel kommt nicht hin

Der Kopf ist der Prüfstein. Fehlen dort Federn, ist es kein Selbstrupfen — dann kommen Milben, Hauterkrankungen oder ein rupfender Partnervogel infrage. Was hinter echtem Rupfen steckt, steht unter Federn rupfen.

Was der Vogel jetzt braucht

Eiweiß. Der wichtigste Punkt. Eine reine Körnermischung deckt den erhöhten Bedarf nicht. Geeignet sind Keimfutter, halbreife Sämereien, etwas Eifutter und frisches Grün. Was sonst in den Napf gehört, steht unter Was dürfen Sittiche fressen.

Feuchtigkeit. Bademöglichkeiten oder vorsichtiges Besprühen erleichtern das Abschuppen der Hornscheiden spürbar, besonders in der Heizperiode. Wie unterschiedlich Vögel dabei reagieren, steht unter Baden und Duschen.

Ruhe. Weniger Trubel, feste Schlafzeiten, nicht auf Training bestehen.

Nicht am Kopf streicheln. Blutkiele sind schmerzhaft. Wer in dieser Zeit gestreichelt werden will, sagt es selbst — sonst besser lassen.

Keine Kiele „aufmachen“. Die Hornscheide zerfällt von allein. Wer nachhilft, verletzt die noch versorgte Feder.

Wiegen. In der Mauser ist ein leichter Gewichtsverlust möglich; ein deutlicher ist es nicht. Der Richtwert steht unter Gewicht kontrollieren.

Wann es doch der Tierarzt ist

Mauser ist normal — diese Verläufe sind es nicht:

  • Die Mauser endet nicht. Ein Vogel, der über Monate durchgehend Federn verliert und Kiele schiebt, steht unter Dauerbelastung. Ursachen können hormonelle Störungen oder falsches Licht sein.
  • Ein Blutkiel blutet. Abgebrochene Blutkiele bluten erstaunlich stark. Bei einem 35-Gramm-Vogel ist Blutverlust schnell kritisch — sofort zum Tierarzt.
  • Kahle Stellen, die nicht zuwachsen, oder verformte, gestreifte, brüchige Federn. Das kann auf eine Virusinfektion oder Mangelernährung hinweisen.
  • Der Vogel baut ab: frisst schlecht, verliert deutlich Gewicht, sitzt aufgeplustert mit matten Augen. Dann ist die Mauser nicht die Ursache, sondern das, was einen ohnehin geschwächten Vogel überfordert. Was in dem Fall zu beobachten ist, steht unter frisst nicht.
  • Federverlust am Kopf. Wie oben: kein Rupfen, also etwas anderes.

Im Zweifel gilt auch hier, was für jedes Krankheitszeichen bei Vögeln gilt: Sittiche verbergen Schwäche, bis sie es nicht mehr können. Wer unsicher ist, ruft lieber einmal zu früh eine vogelkundige Praxis an als einmal zu spät.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Erkrankung gehört der Vogel zu einem vogelkundigen Tierarzt — Sittiche verbergen Symptome lange, und ein Tag Abwarten ist bei einem so kleinen Tier viel Zeit.

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